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Politik und Gesundheit

Zwei Jahre in Einzelhaft wegen Alkohol am Steuer

Ein Mann aus den USA wurde wegen Alkohol am Steuer verhaftet und verbrachte zwei Jahre in Einzelhaft. Dafür wird er jetzt großzügig entschädigt mit einer Summe von rund 22 Mio. US-Dollar, berichten die Medien.

Der Mann kommt aus dem Bundesstaat New Mexico und dort saß er auch im Dona Ana County Gefängnis. Er wurde dermaßen unmenschlich behandelt, dass er sich selbst einen Zahn ziehen musste, weil ihm der Zugang zu einem Zahnarzt verweigert wurde.

Sein Name ist Stephen Slevin und im Sommer 2005 wurde er betrunken am Steuer erwischt. Dafür wurde er verhaftet und in die Einzelhaft für die komplette Dauer des Aufenthalts geworfen. Es gab weder eine Gerichtsverhandlung, noch hat sich jemand für ihn interessiert. Im Grunde genommen wurde er einfach vergessen.

Zwei Jahre ohne Zahnarzt

Von links nach rechts: Ende vs. Anfang der Gefängnisstrafe

In einem Interview sagte der Leidtragende, dass die Wachen jeden Tag an seiner Zelle vorbeigingen. Sein Zustand verschlechterte sich täglich, aber den Peinigern war es egal. Sie holten keine Hilfe für ihn und sonst taten sie auch nichts außer zugucken.

Doch die Zähne waren nicht das einzige Problem. Weil Slevin sich die Nägel auf den Zehen nicht schneiden konnte, wuchsen sie ständig weiter und fingen an sich einzurollen. Im Laufe der Zeit bekam er Depressionen und fragte nach medizinischer Hilfe, doch seine Bitte blieb unbeachtet.

Bei der Klage gegen das Gefängnis war das Geld eher eine Nebensache. Viel mehr ging es darum, die Welt darüber zu informieren, wie die Zustände in den amerikanischen Gefängnissen sind und welches Unrecht dort geschieht.

Trotzdem muss man an dieser Stelle erwähnen, dass die Summe von 22 Mio. US-Dollar bis heute eine Rekordentschädigung bleibt. So viel Geld wurde bis jetzt noch niemandem zugesprochen.

Es ist wichtig, dass die Öffentlichkeit von diesen Gräueltaten erfährt, denn scheinbar gibt es Menschen im Dona Ana County Gefängnis denen alles erlaubt ist. Als Folge der traumatischen Erlebnisse wurde Slevin mit posttraumatischer Belastungsstörung diagnostiziert. Es ist sehr wahrscheinlich, dass er nun sein Leben lang Medikamente dagegen einnehmen müssen wird. Ihm bleibt es immer noch unklar, warum er einer solchen Behandlung ausgesetzt wurde.

Sein Anwalt sagte, die Misshandlung sei ab dem Zeitpunkt der Verhaftung angefangen. An dem verhängnisvollen Tag fuhr Slevin mit dem Auto quer durch New Mexico unter Alkoholeinfluss. Als er von der Polizei gestoppt wurde, vermutete diese, dass das Auto gestohlen war. Tatsächlich war es jedoch das Auto eines Freundes. Der Wagen wurde lediglich ausgeliehen um eine Reise durch die USA zu starten.

Zu dem Zeitpunkt litt Slevin unter einer Depression und wollte New Mexico verlassen mit dem Ziel sich zu erholen. Ironischerweise wurde aus der Erholung nichts und stattdessen landete er im Gefängnis. Dort wurde zunächst vermutet, er wäre selbstmordgefährdet. Darauf wurde Slevin kurzerhand in eine Gummizelle für die Dauer von drei Tagen gesteckt. Behandlung wurde ihm jedoch nicht angeboten.

Eine Gerichtsverhandlung blieb auch aus. Es wurde weder ein Termin ausgemacht noch wurde er einem Richter vorgeführt. Nachdem die Zeit in der Gummizelle nach drei Tagen vorbei war, wurde Slevin in Einzelhaft versetzt ohne jegliche Erklärung seitens der Wächter. Die Gefängnispolitik schreibt vor Gefangene mit psychischen Problemen in Einzelzellen zu transferieren.

Die offizielle Instanz des Dona Ana County Gefängnisses schweigt bis jetzt zu dem Fall. Es gibt keine Informationen darüber, ob Mitarbeiter, die in den Fall involviert waren, verwarnt oder gefeuert wurden. Als Grund wurde genannt, dass interne Angelegenheiten in die Öffentlichkeit getragen werden.

Es wurde auch nicht spezifiziert, wie die hohe Summe von 22 Mio. US-Dollar, die das Gefängnis entrichten muss, finanziert wird. Möglicherweise werden hier die Steuergelder in Anspruch genommen. Sicher ist nur, dass die Institution in Berufung gehen wird. Niemand aus dem Gefängnisumfeld wollte sich zu den Gründen äußern, warum das Opfer solange auf einen Prozess warten musste. Alle rechtlichen Fragen blieben unbeantwortet.

Die Regeln schreiben vor, dass jeder Person, die sich in Einzelhaft befindet, das Recht auf eine Stunde Frischluft pro Tag hat. Slevin wurde dieses recht oft verwehrt. Außerdem durfte er nicht duschen, weshalb er unter Pilzbefall litt. Irgendwann wollte er selber nicht mehr aus der Zelle rauskommen. Er verlor den Willen weiterzuleben

Unter solchen Umständen werden Menschen wahnsinnig. Manche fangen an zu schreien und Fäkalien an die Tür zu werfen. Andere schaukeln jahrelang unter einer Decke, wie es im Fall Slevin auch war.

Als er aus dem Gefängnis rauskam waren seine Haare grau und verwachsen. Er hatte einen langen Bart sowie ein blasses und eingefallenes Gesicht. Er war kaum zu erkennen, denn auf dem Foto vor zwei Jahren sah er ganz anders aus. Das Foto hat auch eine entscheidende Rolle bei dem Gerichtsprozess gehabt.

Zum Glück hat Slevin immer noch Menschen um sich herum, die sich um ihn sorgen. Er hat Freunde und eine Schwester die ihn unterstützen. Obwohl seine Geschichte an die Presse gelang, hofft Slevin nach dem Verfahren auf ein ruhiges Leben und etwas Privatsphäre. Dies ist auch verständlich, denn der Mann wurde seiner Menschenwürde entraubt und kämpfte in den letzten zwei Jahren ums überleben.

Erfreulicherweise war seine Anstrengung nicht umsonst. Er hat Mut bewiesen und viele Menschen über die schlimmen Verhältnisse in den Gefängnissen von New Mexico informiert. Tag ein, Tag aus werden Unschuldige abgestraft und das hat wirklich niemand verdient. Dass Slevin eine Menge Geld zugesprochen bekommen hat, ist dabei nur eine Nebensache. Was ihm widerfahren ist, ist kein Vermögen der Welt wert.